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 QUALIFIZIERUNGSOFFENSIVE CHEMIE

SOZIALPARTNER STELLEN FUTURE SKILLS REPORT VOR

Die Digitalisierung der Arbeitswelt sowie weitere Veränderungsprozesse verringern die Halbwertszeit von Wissen und Skills in bisher ungekanntem Ausmaß. So wie sich berufliche Tätigkeiten verändern, wandeln sich auch die Skill-Anforderungen an die Belegschaft. Dieser – auf einer Big-Data-Analyse basierende – Bericht stellt den wichtigsten Stakeholdern in der chemisch-pharmazeutischen Industrie eine Vorschau auf mögliche Veränderungen in der Skill-Landschaft zur Verfügung.

Welche Kompetenzen gewinnen für die Beschäftigten in der chemisch-pharmazeutischen Industrie an Bedeutung? Welche Fähigkeiten sind gefragt, damit die Branche innovativ und die Arbeitsplätze sicher bleiben? Was also sind die „Future Skills“? Dieser Frage sind IG BCE und Chemie-Arbeitgeber in einem gemeinsamen Projekt mit Betriebsräten und Führungskräften nachgegangen. Das Ergebnis ist ein Datenschatz, der seinesgleichen sucht: der Future Skills Report.

„Wir wollen, dass die Arbeitsplätze in der chemisch-pharmazeutischen Industrie Referenz bleiben. Das gilt nicht nur für Arbeitsbedingungen und Entlohnung, sondern auch mit Blick auf Know-how und Innovationsführerschaft“, sagt der Vorsitzende der IG BCE, Michael Vassiliadis. „Die Beschäftigten verdienen die beste Aus- und Weiterbildung. Der Future Skills Report liefert uns wichtige Impulse in der Frage, wo wir jetzt ansetzen müssen, um das auch in Zukunft zu gewährleisten.”

Eine KI-basierte Trendanalyse zu den Chemie-Skills der Zukunft

Dazu wurden weltweit mehr als 200.000 Jobausschreibungen der Jahre 2018/2019 analysiert und mehr als 5800 unterschiedliche Kompetenzen und Trends erfasst, die in der chemisch-pharmazeutischen Industrie in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen werden. Das Jahr 2020 wurde aufgrund der Corona-bedingten Ausnahmesituation bewusst ausgespart.

Der Report zeigt unter anderem auf, dass immer mehr Stellenausschreibungen Kompetenzen bei Data Science und Analytik einfordern. Drei weitere Zukunftskompetenzen liegen in den Bereichen Biotechnologie, digitaler Vertrieb und maschinelles Lernen/Künstliche Intelligenz. Weiteres Ergebnis: Es gibt in der Branche mehr Berufe, die verstärkt nachgefragt werden, als solche mit sinkendem Bedarf. In mehr als der Hälfte der untersuchten Berufsfelder (59 Prozent) verändern sich die Anforderungen derzeit stark.

Qualifizierungsoffensive Chemie

Der Future Skills Report Chemie ist Teil der Qualifizierungsoffensive Chemie, auf die sich IG BCE und Chemie-Arbeitgeber in der Nationalen Weiterbildungsstrategie verständigt und die sie im Rahmen ihres letzten Tarifabschlusses konkretisiert haben. Während der Report eine Art Kompetenzen-Kompass darstellt, setzt ein zweites Element der Offensive auf die bessere Abbildung bereits bestehender Qualifikationen im Betrieb.

Gemeinsam mit der Bundesagentur für Arbeit und privaten Dienstleistern werden die Sozialpartner zudem, zunächst in Pilotregionen, ein Beratungsangebot für Unternehmen und Beschäftigte der chemisch-pharmazeutischen Industrie auflegen. Nach einem erfolgreichen Abschluss des Pilotprojektes wird das Angebot auf die gesamte Branche ausgerollt.

 

 

 

 

CORONA-TESTLABORE

ARBEITEN AM LIMIT

In den Corona-Test-Laboren geben die Beschäftigten ihr Bestes, um mehr als eine Million Tests pro Woche auszuwerten. Doch die Grenze der Belastungsfähigkeit ist erreicht: Trotz Überstunden kommen sie bei immer weiter steigenden Testzahlen dennoch kaum hinterher.

Der Sommer war heftig: "Jeden Tag bis zu zehn Stunden Arbeit, wenig freie Wochenenden und eine unwahrscheinliche Arbeitsbelastung. Das war Stress pur. Da lagen schon mal die Nerven blank", erinnert sich Rebecca Uloth, wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Labordienstleister Synlab. Die 31-Jährige leitet die Corona-Abteilung des medizinischen Versorgungszentrums in Jena.

"Im Gegensatz zu vielen anderen normalisierte sich mein Leben über die Sommermonate nicht. Der Unterschied zwischen dem, was ich erlebte, und der Entwicklung draußen, dem Infektionsgeschehen, war riesig", sagt Uloth. Wegen der kostenlosen Tests für die Reiserückkehrer und die Entwicklung der CoronaWarn-App schossen die Testzahlen – und damit das Arbeitsvolumen für Uloth und ihre Kolleginnen und Kollegen – in die Höhe. Gleichzeitig stieg die Zahl anderer Proben wieder an, weil sich im Sommer wieder mehr Menschen zum Arzt trauten und die aufgeschobenen Operationen nachgeholt wurden.

Vor der Pandemie waren die Jenaer Beschäftigten mit der Tumordiagnostik befasst. "Mit der Methodik der Corona-Tests sind wir aus der Tumordiagnostik bestens vertraut, die Größenordnung ist aber eine vollkommen andere", erzählt Uloth. In der Tumordiagnostik seien 100 Tests am Tag schon viel. "Derzeit schaffen wir locker 4000 Corona-Proben täglich", so Uloth. In Jena sind 10000 Corona-Tests pro Tag das Ziel. Deutschlandweit haben viele Labore ihre Kapazitäten deutlich ausgeweitet: Zu Beginn der Pandemie unter suchten die Labore 300.000 bis zu 400.000 Tests pro Woche, zuletzt waren es rund 1,6 Millionen.

An dem kleinen Synlab-Standort in Jena arbeiteten Anfang des Jahres gerade einmal 15 Beschäftigte. Neue Kräfte, unter ihnen viele Studenten, wurden eingestellt. Synlab setzt außerdem Springerkräfte ein, die deutschlandweit dort eingesetzt werden, wo es gerade einen größeren Corona-Ausbruch gibt. Um die Arbeit zu bewerkstelligen, wurde zusätzlich ein Schichtsystem  eingeführt. "Da die Arztpraxen an Sonn- und Feiertagen geschlossen haben, mussten wir bisher in der Tumordiagnostik an diesen Tagen auch nicht arbeiten", erklärt Uloth.

Mittlerweile haben die Labore zusätzlich Prozesse bei den Tests optimiert. Was anfangs kleinteilige Handarbeit war, läuft jetzt mit Maschinen. "Und wir haben heute viel mehr Erfahrung und Wissen bei der Auswertung und Interpretation. Da sind wir ja komplett bei Null gestartet", so die 31-Jährige. Als Abteilungsleiterin koordiniert sie die Logistik der Proben mit den anderen Synlab-Standorten in regelmäßigen Telefonkonferenzen: "Wir helfen uns gegenseitig aus, wenn es durch große lokale Ausbrüche irgendwo eng wird."  Durch diese Verbesserungen und die Neueinstellungen sei man langsam wieder auf einem Niveau, das den Beschäftigten geregelte Wochenenden und Arbeitszeiten erlaube, weil die Arbeit auf mehreren Schultern verteilt sei. "Aber Minusstunden macht hier niemand."

Minusstunden sind auch am hannoverschen Standort von Amedes, einem weiteren Labordienstleister, utopisch. Dort werten die 130 Beschäftigten ebenfalls Corona-Tests aus. Denise Wittenberg, Gemeinschaftsbetriebsratsvorsitzende und Teamleiterin in der Prä-Analytik, blickt auf
stressige Monate an der Belastungsgrenze zurück: "Nach dem ersten Lockdown, als wir dachten, dass wir aus dem Gröbsten raus seien, ging der Stress wegen der veränderten Teststrategie erst so richtig los." 

Entspannung gibt es seitdem nicht: Rund 3500 Tests am Tag werten die Beschäftigten aus. "Und die reine Routine muss mitlaufen"«, erklärt Wittenberg. "Wenn ein Patient kurz vorm Herzinfarkt
steht, dann steht er immer noch kurz vorm Herzinfarkt – unabhängig von Corona." Dann müssten die Tests trotzdem so schnell wie möglich gemacht werden. Sie sagt: "Wir geben unser Bestes, alles gleichzeitig zu schaffen." 

Bei Amedes in Hannover arbeiten die Beschäftigten von montags bis samstags im Zwei-Schicht-System. Um die Arbeit zu schaffen, wurde der Stichtag für den Überstundenabbau nach hinten verschoben und zusätzliches Personal eingestellt. "Das entlastet uns enorm. Allerdings ist die Einarbeitung unter Hochdruck, gerade bei fachfremdem Personal oder Studenten, auch herausfordernd", so Wittenberg.

Eine Herausforderung ist auch das stundenlange Tragen der FFP2-Masken. Eine Maskenpflicht im Labor gab es schon vor Corona. "Aber die konnten wir zwischendurch immer mal wieder abnehmen. Bei den Massen an Tests ist das derzeit nicht möglich", erzählt Wittenberg. Um einmal so richtig durchzuatmen, machen die Beschäftigten jetzt regelmäßig kurze Pausen.

Die Corona-Proben werden in einem extra Raum ausgewertet. "Jede Probe ist potenziell infektiös", sagt sie. "Aber das sind wir gewohnt. Wir arbeiten sonst auch oft mit Proben, die noch viel infektiöser sind, wie HIV zum Beispiel." Im Gegensatz zu Blutproben zum Beispiel kann es bei
Corona-Proben aber Aerosole geben. Deswegen öffnen die Beschäftigten die Proben nur unter einer bestimmten Sicherheitswerkbank, in einem speziellen Glaskasten, in dem die Luft durch einen Filter abgesaugt wird. Wittenberg betont: "Corona-Proben können wir nicht einfach so im Raum öffnen."

Gehaltssprung für Synlab-Beschäftigte

Beim Labordienstleister Synlab hat die IG BCE einen satten Gehaltssprung für die Beschäftigten durchgesetzt. Im November einigten sich Gewerkschaft und Arbeitgeber auf einen entsprechenden Tarifabschluss. Dieser bringt Beschäftigten 7 Prozent mehr Entgelt, einen Corona-Bonus in Höhe von 1500 Euro und eine Einmalzahlung in Höhe von 1000 Euro. Bei Amedes beginnen die Gespräche am 4. Dezember. 

Die Laborbranche ist sehr zersplittert. Neben vielen kleinen und mittleren Betrieben tummeln sich einige wenige große wie Amedes (rund 4000 Beschäftigte im medizinischen Bereich) und Synlab (mehr als 2000 Beschäftigte im medizinischen Bereich). Einen Branchentarifvertrag gibt es nicht. Die IG BCE fordert ihn seit Jahren, denn das würde zu einer Befriedung der Branche führen, in der scharfer Wettbewerb herrscht. Die Labore konkurrieren nicht nur untereinander, sondern auch mit Kliniken und Krankenhäusern. Fachkräfte werden händeringend gesucht. Dazu müssten die Labore aber einem Arbeitgeberverband beitreten, der den Tarifvertrag verhandelt. "Bisher wollen sich aber die Unternehmen nicht in die Karten schauen lassen und sind stattdessen mit eigenen
Anwälten unterwegs, um Tarife auszuhandeln", erklärt Marc Welters, IG-BCE-Verhandlungsführer für Synlab. 

 
 
Rheinorange in Sicht

Bezirk Niederrhein bezieht Schifferbörse

Es ist soweit! Der IGBCE Bezirk Niederrhein öffnet seine Türen am neuen Standort. Wir verbinden hier Tradition und Moderne. Unser Bürogebäude und Tagungsraum: Die Schifferbörse, ein Ort, den der Zusammenschluss der Frachtschiffer Ende des 19. Jahrhunderts forderte, um nicht von Maklern und Industriellen betrogen zu werden. In Spitzenzeiten betrug hier der Kohlehandel ca. 80 % des Handelsaufkommens.

Unsere Adresse: Gustav-Sander-Platz 1, 47119 Duisburg

Der Duisburger Hafenarbeiter Gustav Sander war aktiver Gewerkschafter vom Kaiserreich bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten. In den 50er Jahren der jungen Bundesrepublik Deutschland, war er regionaler DGB-Vorsitzender und Bundestagsabgeordneter.

Unsere Zukunft: Die Landmarke Rheinorange an der Ruhrmündung, vor unserer Haustür, weist auf den Duisburger Hafen. Der größte Binnenhafen Europas ist ein wichtiger Industrie-, Technologie- und Logistikstandort.

Dies alles ist die neue Heimat für unsere sechs Gewerkschaftssekretäre, einen Serviceassistenten und fünf Teamassistentinnen. Und natürlich hat auch das Rechtschutz-Regionalbüro Nordrhein mit unseren beiden Rechtschutzsekretären und deren Assistentinnen in der ersten Etage eine adäquate Bleibe bezogen.

„Wir sind froh, jetzt alle Kolleginnen und Kollegen an einem Ort zusammen zu haben“, so Matthias Jakobs, Bezirksleiter des Bezirks Niederrhein. „Dies bringt enorme Vorteile und positive Effekte bei der Betreuung unserer Mitglieder in den Betrieben und in der Fläche! Und zusätzlich garantiert es eine bessere Erreichbarkeit des Bezirks.“

Das ganze Team freut sich darauf, die Mitglieder in den neuen Büros begrüßen zu können. Aber auch hier gelten nach wie vor noch immer die Corona-Schutzmaßnahmen und Bedingungen; ohne vorherige Anmeldung geht nach wie vor nichts!

 

 

 IG BCE-Bezirk Niederrhein

"Die IG BCE sagt Danke!"

Viele Beschäftigte aus unseren Branchen sind in systemrelevanten Betrieben beschäftigt und in den jetzigen Corona-Zeiten besonders gefordert. Sie fahren Sonderschichten, damit die Bevölkerung mit Desinfektionsmittel, Toilettenpapier und weiteren notwendigen Produkten versorgt werden kann.

IG BCE

Corona-Krise

Wir sind für dich da - gerade in der Krise

Welche Ansprüche habe ich bei Kurzarbeit? Wie bringe ich mobiles Arbeiten und Kinderbetreuung in Einklang? Was passiert, wenn mein Betrieb jetzt in Schieflage kommt? In der Corona-Krise stellen sich den Beschäftigten in den Branchen der IG BCE viele akute und sehr konkrete Herausforderungen und Fragen. Wir sind für dich da – als Problemlöser, Ratgeber, Krisenhelfer. Ruf einfach an.

Im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie hat die IG BCE Know-how und Beratungskapazitäten gebündelt, um dich als Gewerkschaftsmitglied bestmöglich in der Krise zu unterstützen. Denn jetzt stellen sich besonders viele Fragen und Herausforderungen – nicht nur zu eigener Gesundheit und Familie, sondern auch dazu, wie es weitergeht im Job, im Betrieb, in der Branche.

Dafür sind wir da. Immer schon – und jetzt erst recht. Auch wenn in Zeiten von Social Distancing und geschlossenen Geschäftsstellen und Bildungszentren die gewohnte Nähe zum Gewerkschaftssekretär vor Ort fehlen mag. Wir haben dafür Sorge getragen, dass dich dein Bezirk besser denn unterstützen kann. Unbürokratisch am Telefon – und mit mehr IG-BCE-Power im Rücken denn je. Ruf einfach deinen Bezirk an!

Wir haben eine neue Hotline für Mitglieder aufgelegt, die ab sofort montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr über die örtliche Telefonnummer jedes IG-BCE-Bezirks zu erreichen ist.

Wir haben die Vorstandsbereiche in der Gewerkschaftszentrale vorübergehend aufgelöst und Taskforces zu den drängendsten Themen gebildet, die auf die Belegschaften in den IG-BCE-Industrien jetzt zukommen. Dazu gehören Kurzarbeit, betriebliche oder tarifliche Sondervereinbarungen, Rechtsberatung, Weiterbildung und die Zukunft der industriellen Wertschöpfungsketten.

Unsere neue Struktur ermöglicht es uns, die Erfahrung und das Know-how unserer mehr als 800 IG-BCE-Fachleute auf die drängendsten Themen zu konzentrieren allen Mitgliedern genau da beiseite zu stehen, wo sie uns jetzt brauchen – quasi als digitale Krisenhelfer. So bekommt der Gewerkschaftssekretär in deinem Bezirk direkte Unterstützung von den Taskforces in der Zentrale. Damit wir mit maximaler IG-BCE-Power für dich da sein können.  

 

Aktuelle Situation in der Corona-Krise

Sicherlich habt ihr den Verlauf angesichts der sich verschärfenden Corona-Krise mitbekommen und im Auge. Auch die IG BCE blickt besorgt auf die neuerlichen Entwicklungen, deshalb hat der geschäftsführende Hauptvorstand der IG BCE auf einer außerordentlichen Sitzung ein Bündel von Maßnahmen und Regelungen beschlossen, um die Menschen im Umfeld unserer IG BCE zu schützen und eine Ausbreitung des Virus zu verhindern. Dazu gehören unter anderem Regelungen zur Zusammenarbeit, zur Reisetätigkeit und zu Veranstaltungen sowie Sitzungen.

Des Weiteren hat der geschäftsführende Hauptvorstand in seiner Sitzung am 16. März 2020 beschlossen, dass alle Organisationsstellen für den Publikumsverkehr ab Dienstag, 17. März 2020 geschlossen werden. Aus diesem Grund bleibt der Bezirk Niederrhein, mit den Bürostandorten Duisburg und Moers, für den Publikumsverkehr bis auf Weiteres geschlossen. Es besteht weiterhin die Möglichkeit uns per E-Mail oder telefonisch zu kontaktieren. Wir werden dann alles Erforderliche organisieren.

Persönliche Rechtsschutzersuche in den Bezirken sollen ab Mittwoch, 18. März 2020 eingestellt werden. Es werden rechtzeitig Hinweise zur Organisation unseres Rechtsschutzes (Vollmachtserteilung etc.) erfolgen.

Ab sofort wird der Betrieb unserer Bildungszentren in Bad Münder, Haltern und Kagel eingestellt. Die sofortige Einstellung gilt auch für Einrichtungen der Fejo sowie des Heinrich-Imbusch-Erholungswerks.

Die Wahlversammlungen sowie alle anderen Veranstaltungen werden bis auf Weiteres verschoben. Dieses gilt, nach jetzigem Stand, mindestens bis zum 30. Juni 2020. Da wir dieses als verantwortliche Organisation entschieden haben, ist ein gesonderter Beschluss nicht erforderlich. Dieses sollten die Gremien auch mit eventuellen Bildungsveranstaltungen etc. machen.

 

IG BCE wird schlagkräftiger

Zukunftsbezirk Niederrhein entsteht - Bezirke Duisburg und Moers schließen sich zusammen

»Aus zwei gut aufgestellten Bezirken schaffen wir den Zukunftsbezirk Niederrhein« erklärt Matthias Jakobs, bislang Bezirksleiter in Moers. »Der neue Bezirk Niederrhein wird selbstbewusst und selbstständig seine Zukunft gestalten.« Sein Kollege Bodo Willms, bislang Bezirksleiter in Duisburg, ergänzt: »Die Zusammenführung zweier guter Teams gibt uns mehr Zeit, Kraft und Raum für gute Ideen.« Grund für den Zusammenschluss sind die demografische Entwicklung und die Strukturveränderungen in den beiden Regionen. Sowohl Duisburg als auch Moers sind vom Ausstieg aus der Steinkohle in besonderer Weise betroffen.

Vorausgegangen war dem Beschluss eine intensive Diskussion. »Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass wir unsere Kräfte besser bündeln und schlagkräftiger agieren können«, erklärt Matthias Jakobs. Deshalb stellten die beiden Bezirke einen Antrag beim Hauptvorstand der IG BCE in Hannover, sich zusammenschließen zu können. Diesen Antrag hat der Hauptvorstand nun angenommen. Für die Mitglieder ändert sich zunächst nichts. In einer Übergangszeit wird die IG BCE an beiden Bezirksstandorten wie gewohnt präsent und erreichbar sein. Mittelfristig suchen die Bezirke einen neuen Sitz. »Der neue Standort wird den heutigen Anforderungen in Sachen Kommunikation, Erreichbarkeit und Barrierefreiheit Rechnung tragen«, sagt Bodo Wilms. Insbesondere Letzteres sei für die älteren Mitglieder wichtig, wenn sie zum Beispiel gewerkschaftliche Beratung in Sozialrechts-Fragen suchen. Neue Adresse und Telefonnummern werden den Mitgliedern rechtzeitig mitgeteilt.

Durch ein größeres Team wird der neue Bezirk eine höhere Präsenz in den Betrieben erreichen können, sind sich die Bezirksleiter sicher. Ein weiterer Schwerpunkt der künftigen Arbeit wird auf der gewerkschaftlichen Erschließung neuer Betriebe liegen. Auch hier sehen die bisherigen Bezirksleiter Vorteile durch die Größe des Teams.

Schon bislang haben beide Bezirke eng miteinander kooperiert, beispielsweise mit gemeinsamen Arbeitskreisen für Migration und für Jugend.

Zukunftsbezirk Niederrhein nimmt Fahrt auf

Matthias Jakobs als Bezirksleiter bestätigt

Am Montag, 30. September 2019 wählte der Bezirksvorstand Niederrhein den Kollegen Matthias Jakobs zum Bezirksleiter. Die Tagesordnung war kurz, als der Bezirksvorstand des Zukunftsbezirkes Niederrhein in seiner ersten Zusammenkunft dem Vorschlag des Hauptvorstandes, mit einem klaren Votum für Matthias Jakobs, folgte.

Frank Löllgen, Landesbezirksleiter Nordrhein, gratulierte als Erster und wünschte Matthias Jakobs eine gute Hand in der Führung des zweitgrößten Bezirkes der IG Bergbau, Chemie, Energie.

Matthias Jakobs wurde auch zum Vorsitzenden des Bezirksvorstandes gewählt. Zu seinen Stellvertretern wählte der Bezirksvorstand die Kollegin Manuela Strauch (Lanxess Deutschland GmbH, Werk Krefeld) und Mike Dinkelbach (Evonik Industries AG, Standort Essen).

 

Zukunftskongress 2019
IG BCE bereitet sich auf kommende Dekaden vor

Die IG BCE will sich mit einer neuen industriepolitischen Strategie auf die Herausforderungen der Transformation in der kommenden Dekade ausrichten. Dazu hat sie gestern und heute in Essen auf einem Zukunftskongress unter dem Titel „Perspektiven 2030+“ die Grundlagen geschaffen. Er bildet die zentrale Wegmarke eines bereits vor Monaten eingeleiteten Szenarioprozesses, an dessen Ende der 7. Gewerkschaftskongress der IG BCE 2021 ein neues industriepolitisches Leitbild diskutieren und beschließen soll.

„Wir stehen inmitten einer Zeitenwende“, sagte der Vorsitzende der IG BCE, Michael Vassiliadis, am Mittwoch zum Abschluss des Zukunftskongresses. Die Transformation der Industrie laufe hinaus auf einen fundamentalen Bruch mit der bislang gewohnten Art zu arbeiten und zu leben. „Darauf müssen wir uns vorbereiten und Einfluss nehmen“, so Vassiliadis. „Für beides sind wir stark, beweglich und realitätsbewusst genug.“

Auf dem Kongress diskutierten 400 Gewerkschafter unter anderem vier unterschiedliche Zukunftsszenarien, die in den zurückliegenden Monaten in einem aufwändigen Beteiligungsprozess mit Beschäftigten aus den Branchen der IG BCE entwickelt wurden.

Die Bandbreite reicht dabei von einer fortschreitenden Globalisierung mit weiter wachsendem Konkurrenz- und Verlagerungsdruck („Unter Druck“) über ein Szenario, bei dem Deutschland seine Wachstumschancen in der sozial-ökologischen Wende erfolgreich nutzt („Smartes Wachstum“) und ein Zukunftsbild, bei dem die Politik in harten gesellschaftlichen Konflikten mit immer neuen Regulierungsvorgaben Klimaschutz auf Kosten von Produktion und Beschäftigung durchsetzen will („Neuland“) bis zu „Tohuwabohu – einem Szenario, in dem das Land in ökonomischer und ökologischer Konfrontation erstickt und die demokratische Kultur durch Polarisierung und Rechtspopulismus schwer beschädigt wird.

„Was auch immer passiert: Wir müssen in jedem Fall alles Notwendige unternehmen, um in den Belegschaften und in den Betrieben stark zu bleiben“, sagte Vassiliadis. Die Gewerkschaft werde deshalb unter anderem ein neues tarifpolitisches Programm für die Transformation entwickeln und hierbei auch die Arbeitgeber in die Pflicht nehmen. Vassiliadis bezeichnete es als „entscheidend für die Zukunft der Sozialpartnerschaft“, dass die Arbeitgeberseite hier zu vernünftigen Verabredungen bereit sei. „Wenn nicht, werden wir reagieren und uns andere Optionen suchen.“

Gleichzeitig gelte es auch, die Gewerkschaft selbst für die Herausforderungen der Zukunft zu wappnen. Dazu müssten die Prozesse modernisiert und Kompetenzen rund um Transformation und Digitalisierung ausgebaut werden. So will die IG BCE einen wissenschaftlichen Beirat für Transformationsprozesse einrichten, ihre Funktion als Diskussionsplattform rund um die Arbeitswelt von morgen stärken und rund um die Transformation eine engere Kooperation unter den Gewerkschaften und im DGB suchen.

 

 

 

Ausbildungsplätze in der Chemie
Trotz schwächerer Konjunktur: Unternehmen sollten in ihre Zukunft investieren

Die Zahl der Ausbildungsplätze in der chemischen Industrie ist 2019 leicht gesunken. Nach einem Rekordwert 2018 wurden in diesem Jahr mit bundesweit 9512 gut 200 Stellen oder 2 Prozent weniger angeboten.

Noch deutlicher fiel der Rückgang bei den durch die Tarifpartner geförderten Ausbildungsplätzen für leistungsschwächere Jugendliche aus. Hier rutschte die Zahl der Stellen um nahezu ein Viertel auf 576 – den niedrigsten Stand seit 2012. Spürbar zugelegt hat dagegen die Zahl der neuen Plätze für Dual Studierende – um mehr als 5 Prozent auf 905.

„Eine schwächere Konjunktur darf die Unternehmen nicht davon abhalten, in ihre Zukunft zu investieren“, sagt der stellvertretende Vorsitzende der IG BCE, Ralf Sikorski. „Vor allem der Rückgang bei den geförderten Stellen ist frappierend. Dabei hat sich längst gezeigt, dass sich aus den ungeschliffenen Rohdiamanten besonders treue Fachkräfte entwickeln.“

Ein spezielles Förderprogramm von IG BCE und Chemie-Arbeitgebern eröffnet leistungsschwächeren Schulabgängern eine berufliche Chance. Bisher haben Tausende junge Menschen die Projekte „Start in den Beruf“ und „StartPlus“ durchlaufen. Mehr als 80 Prozent konnten danach eine Berufsausbildung beginnen. Die Förderprogramme werden aus dem paritätisch verwaltet Fonds des Unterstützungsvereins der Chemischen Industrie (UCI) finanziert.

Gestiegen ist der Anteil der Auszubildenden, die in eine unbefristete Beschäftigung übernommen wurden. Er liegt inzwischen bei 57,8 Prozent – gegenüber 55,2 Prozent im Vorjahr. IG BCE und Chemie-Arbeitgeber hatten 2014 verabredet, die unbefristete Übernahme nach der Ausbildung zum Normalfall zu machen. Seinerzeit lag die Quote noch bei 38,8 Prozent.

„Offenbar merken immer mehr Unternehmen, dass der beste Weg zur Fachkräftesicherung von morgen die unbefristete Übernahme von heute ist“, sagte Ralf Sikorski. „Wir werden hier nicht ruhen, bis sich diese Erkenntnis auch im letzten Winkel des Landes durchgesetzt hat.“

Insgesamt befinden sich zurzeit 26.000 junge Menschen in der Ausbildung zu einem der rund 50 Berufe in der chemischen Industrie. Die Branche bietet Auszubildenden nicht nur interessante und moderne Ausbildungsberufe, sondern auch attraktive Konditionen. So hat die IG BCE für den Nachwuchs in der gerade abgeschlossenen Tarifrunde nicht nur Einmalzahlungen, Vergütungssteigerungen und mehr Weihnachtsgeld ausgehandelt. Er profitiert auch vom neuen Zukunftskonto, das die IG BCE durchgesetzt hat. Hieraus erhält jeder Auszubildende zu Jahresbeginn einen Obolus, der bis 2022 auf 23 Prozent einer tariflichen Ausbildungsvergütung steigt.

Regionale Ausbildungshochburg für die Chemie ist Nordrhein-Westfalen, wo mit 2731 mehr als ein Viertel aller Plätze geschaffen wurden. Es folgen Hessen mit 1556 und Rheinland-Pfalz mit 1376 Ausbildungsplätzen. Weitere Details im Anhang.

 

IG BCE zum Klimaschutzprogramm 2030

Viele Unsicherheiten nicht aufgelöst

Das am Freitag vom Klimakabinett vorgelegte Eckpunktepapier zur Erreichung der Klimaziele 2030 lässt nach Auffassung der IG Bergbau, Chemie, Energie noch Fragen nach der Lenkungswirkung und sozialen Absicherung offen. „Das ist zwar ein Schritt zu mehr Klimaschutz – wie groß er am Ende ausfällt, wie teuer er wird und welche reale Wirkung er entfalten wird, lässt sich aber noch nicht abschätzen“, sagte der Vorsitzende der IG BCE, Michael Vassiliadis. „Nach den vielen Ausstiegsdebatten der vergangenen Monate brauchen wir ein Zeichen des Aufbruchs.“ Die Bundesregierung habe in den kommenden Monaten der Detailarbeit die Chance, hier für mehr Klarheit zu sorgen.

„Der Löwenanteil der CO2-Einsparungen kommt immer noch aus dem Kohlekompromiss – und für einen verstärkten Ausbau der Erneuerbaren fehlen weiter schlüssige Konzepte“, sagte Vassiliadis. Er forderte einen branchenübergreifenden Energie-Pakt, um die Hürden aus dem Weg zu räumen.

Der größte Einzelposten im Klimaschutzprogramm 2030 ist der Ausstieg aus der Kohleverstromung. Er macht allein mehr als ein Drittel des den Sektoren zurechenbaren CO2-Sparvolumens aus. „Das belegt einmal mehr die Bedeutung des Kompromisses, den wir Anfang des Jahres in der Kommission Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung ausgehandelt haben“, sagte Vassiliadis.

Die Bundesregierung tue gut daran, den breiten Konsens nun schnell 1:1 umzusetzen. Das gelte vor allem für das in der Kommission erarbeitete engmaschige Sicherheitsnetz für die Zehntausenden vom Kohleausstieg betroffenen Beschäftigten. „Ohne das fest vereinbarte staatliche Anpassungsgeld für die Arbeitnehmer in der Braunkohle und der Steinkohle wäre für uns der Kompromiss aufgekündigt“, so Vassiliadis.

Mit einer schnellen Entscheidung in dieser Frage könne die Koalition auch belegen, dass sie es ernst meine mit der sozialen Absicherung des Strukturwandels. In dieser Frage bleibe das Klimaschutzprogramm bislang noch zu vage.

Der zweitgrößte Einzelposten im Eckpunktepapier ist der Ausbau des Anteils Erneuerbarer Energien auf 65 Prozent bis 2030. Er macht allein mehr als ein Viertel der CO2-Sparpläne aus. Die Maßnahmen, mit denen die Bundesregierung dieses Ziel erreichen wolle, seien „genau das Pillepalle, das die Bundeskanzlerin eigentlich vermeiden wollte“, kritisierte der IG-BCE-Vorsitzende.

„Wir brauchen dringend einen branchenübergreifenden Energie-Pakt, mit dem wir die Ausbau-Hürden aus dem Weg räumen.“ Vassiliadis erinnerte daran, dass der Bau von Windenergieanlagen und Leitungen quasi zum Erliegen gekommen sei.

 

Antikriegstag

IG BCE ruft zur Teilnahme am Antikriegstag am 1. September auf

"Demokratie, Frieden und Freiheit sind keine Selbstverständlichkeit, sondern müssen entschlossen verteidigt werden", heißt es im Aufruf des DGB zum Antikriegstag am 1. September 2019 – 80 Jahre nach dem Überfall Deutschlands auf Polen. Gerade heute, in Zeiten, in denen sich Kriegs- und Krisenherde mehren, politische Spannungen zunehmen und rechtsextreme Strömungen auch in den demokratischen Gesellschaften Europa Fuß fassen, gilt es, ein starkes Zeichen für ein friedliches und freiheitliches Miteinander in Deutschland und in aller Welt zu setzen.

In Dutzenden lokalen Kundgebungen laden Friedensinitiativen und DGB gemeinsam zur Teilnahme am Antikriegstag ein. Die Veranstaltung, die an die Schrecken zweier Weltkriege, an die Auswirkungen von Gewalt und Faschismus und an Deutschlands historische Verantwortung für Frieden und Versöhnung erinnern will, findet jährlich seit 1957 stets am 1. September statt.

Petra Reinbold-Knape, Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstandes der IG BCE, hofft auf eine rege Teilnahme an den Kundgebungen: „Demokratie heißt auch, dass Menschen öffentlich für ihre Werte einstehen, dass ihre Haltung auf den Straßen und Plätzen sichtbar wird. Das macht eine starke, lebendige Zivilgesellschaft aus.“ Erst recht an diesem 1. September, an dem in Brandenburg und Sachsen Landesparlamente gewählt werden, sei es wichtig, für eine tolerante und weltoffene Gesellschaft Flagge zu zeigen.

Zugleich betont Reinbold-Knape, die bei der IG BCE unter anderem Bildungsthemen verantwortet, den Wert politischer Bildung als Säule der Demokratie: „Ein waches Bewusstsein für unsere Verantwortung gegenüber der Geschichte und dem Heute, sowie die Courage, den Geschichtsvergessenen, den Spaltern und Hetzern entschieden die Stirn zu bieten: Diese Kraft halten wir in unserer Gesellschaft nur wach, indem wir nicht aufhören, Demokratie zu lehren und zu lernen. Denn wir sind Demokratie.“

 

Tarifrunde feinkeramische Industrie West

Abschluss: 4,8 Prozent mehr für Beschäftigte

 

 

Am Abend kam der Durchbruch: Nachdem sich die dritte Verhandlungsrunde für die feinkeramische Industrie West den Tag über hingezogen hatte, stimmte die Tarifkommission der IG BCE dem Vorschlag zu, den die Verhandlungskommission mit den Arbeitgebern ausgehandelt hatte. 

Zu Beginn der Verhandlungsrunde hatte die IG BCE noch einmal richtig Druck gemacht und den Arbeitgebern die Unterschriften von rund 4000 Mitgliedern übergeben, die die Forderung der Tarifkommission unterstützten.

Der Abschluss kann sich sehen lassen: Das Entgelt für die 20.000 Beschäftigten in der feinkeramischen Industrie West steigt ab dem 1. September 2019 bzw. in einigen Betrieben ab dem 1. Oktober um 3,1 Prozent. Zum 1. Dezember 2020 bzw. 1. Januar 2021 steigt das Entgelt um weitere 1,7 Prozent.

Besonders wichtig war der Tarifkommission, für die Auszubildenden eine überproportionale Steigerung zu erreichen. Mit Erfolg: Ab dem ersten Termin bekommen sie 50 Euro pro Monat mehr, ab dem zweiten nochmals 30 Euro. Das liegt deutlich über dem Prozentsatz, um den das Entgelt der übrigen Beschäftigten steigt.

Für wirtschaftlich schwache Betriebe bietet der Tarifvertrag die Möglichkeit, die Erhöhungen in Absprache zwischen den Betriebsparteien um jeweils einen Monat nach hinten zu verschieben. Besonders gut laufende Betriebe werden noch im Jahr 2019 eine Einmalzahlung von 200 bis 300 Euro leisten.

Eine wichtige Forderung war auch die Erhöhung des Urlaubsgelds. Es steigt ab dem Jahr 2020 auf 30 Euro pro Urlaubstag. Der Tarifvertrag läuft bis zum 31.7. 2021 bzw. 31.8. 2021.

Außerdem verpflichteten sich die Tarifvertragsparteien, ab dem 4. Quartal 2019 Verhandlungen zur Einführung eines bundesweit verbindlichen Entgeltrahmentarifvertrags aufzunehmen. Sie sollen zum 31. Dezember 2021 abgeschlossen sein. Er soll die bestehenden Lohn- und Gehaltsrahmentarifverträge ablösen, um eine Gleichstellung zwischen qualifizierter gewerblicher Tätigkeit (Löhne) und Angestelltentätigkeit (Gehälter) zu erreichen.

IG-BCE-Verhandlungsführer Hans-Joachim Gerloff: „Der heutige Tarifabschluss ist ein sehr gutes Ergebnis für die Feinkeramische Industrie West. Dabei haben wir die Breite, die wir in der Branche haben, einfließen lassen. Wir haben eine gute Differenzierung hinbekommen, die alle Segmente ausreichend würdigt. Die Tarifkommission hat mit einer eindeutigen Mehrheit diesem Ergebnis zugestimmt. Jetzt gilt es, den Abschluss in den Betrieben zu diskutieren und umzusetzen. Ich hoffe, dass wir dadurch auch neue Mitglieder gewinnen werden.“

Die feinkeramische Industrie umfasst die Sparten Porzellan, Sanitärkeramik, Fliesen und technische Keramik. Regionale Schwerpunkte liegen in Oberfranken, in der Oberpfalz, im Saarland, im Schwarzwald sowie in den Regionen Stuttgart, Nürnberg und Neuwied.

Feinkeramische Industrie West

Tarifverhandlung ohne Ergebnis vertagt

Die erste Verhandlungsrunde in den Tarifverhandlungen für die feinkeramische Industrie am 6. Juni 2019 in Frankfurt ist ohne konkretes Angebot der Arbeitgeber zuende gegangen. Bei der Verhandlung waren rund 30 Vertreter der Arbeitnehmerseite und etwa 25 Arbeitgebervertreter anwesend.

„Wir haben der Arbeitgeberseite unsere Forderung noch mal erläutert“, sagte Verhandlungsführer Hans-Joachim Gerloff. „Wir hatten eine engagierte Wirtschaftsdebatte, bei der wir die Argumente ausgetauscht haben. Bei der Analyse der Zahlen, Daten und Fakten liegen wir nicht so weit auseinander.“

Grundsätzlich war die Atmosphäre bei den Gesprächen sachlich und konstruktiv. Allerdings lehnt die Arbeitgeberseite die Forderung nach einer Besserstellung von Gewerkschaftsmitgliedern kategorisch ab. „Bei den anderen Punkten haben sie signalisiert, dass sich im Rahmen eines Gesamtpaketes, das nicht beziffert worden ist, eine Gesamtlösung finden lassen könnte“, sagt Hans-Joachim Gerloff.

Die Tarifkommission Feinkeramik West der IG BCE fordert von den Arbeitgebern 5,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt sowie eine überproportionalen Erhöhung der Auszubildendenvergütungen. Das Urlaubsgeld soll von 19,82 Euro auf 40 Euro je Urlaubstag steigen. Gewerkschaftsmitglieder sollen besser gestellt werden. Außerdem fordert die Tarifkommission die Aufnahme von Verhandlungen zur verbindlichen Einführung eines Entgelttarifvertrags.

Bis zur nächsten Verhandlungsrunde am 27. Juni in Fulda will die Tarifkommission das weitere Vorgehen beraten. „Wir werden in in den Betrieben diskutieren, und mit Aktionen die Forderung unterstützen“, sagt Hans-Joachim Gerloff. „Wir wollen der Tarifkommission den Rücken stärken, damit sie beim beim nächsten Mal möglichst erfolgreich abschließen kann.“

 

 

 

Deutscher Diversity Tag - 28. Mai 2019

Diversity-Tag nutzen - Inklusion voranbringen

Am 28. Mai ist es soweit: es ist der 7. Deutsche Diversity-Tag. Ein Tag, der für Vielfalt steht und dafür, dass Vielfalt bereichert. Wie schon in den vergangenen Jahren wird es hierzu zahlreiche Aktionen geben, an denen sich auch viele IG-BCE-Mitglieder beteiligt haben und beteiligen werden. Schließlich wissen wir, wie Vielfalt gelebt werden kann: Nämlich mit Toleranz, Respekt und Solidarität. Also mit den Grundwerten, für die wir als Gewerkschaft stehen.

Nutzen wir also auch den diesjährigen Diversity-Tag. Beispielsweise dafür, das Thema Barrierefreiheit und gleichberechtigte Teilhabe für alle auf die Tagesordnung zu setzen. Und wie kann eine Schwerbehindertenvertretung (SBV) das angehen? Zum Beispiel über den Aktionsplan Inklusion der IG BCE.

 

Was ist der Aktionsplan Inklusion und wie kann er genutzt werden?

  • Er ist eine gemeinsame Willenserklärung dazu, das Thema Inklusion, also Barrierefreiheit und gleichberechtigte Teilhabe, innerhalb des Unternehmens anzugehen beispielsweise weiter zu entwickeln.
  • Er nennt beispielhaft fünf Handlungsbereiche, wie sie auch im Rahmen einer Inklusionsvereinbarung (gemäß §166 nach Sozialgesetzbuch SGB IX) vorgesehen werden.
  • Er enthält keine verbindlichen Ziele, Maßnahmen, Verfahrensweisen oder Instrumente und soll solche auch nicht ersetzen (dazu später mehr).
  • Er wird unterschrieben von der Schwerbehindertenvertretung (SBV) und dem Betriebsrat (BR) oder höheren Stufenvertretungen, von der entsprechenden Unternehmensseite sowie nicht zuletzt von der betreuenden Organisationsstelle der IG BCE.
  • Er ist das politische Signal dafür, dass im Unternehmen das Thema Inklusion ernst genommen wird (und dass die IG BCE hierbei unterstützt).
  • Er kann auf verschiedenen Wegen öffentlichkeitswirksam werden:
    - als angekündigte Aktion im Rahmen des 7. Deutschen Diversity-Tages
    - als TOP auf einer Betriebsversammlung
    - über firmeninterne Wege
    - über Berichterstattung im Regionalteil der KOMPAKT
    - über Internet und soziale Medien (mit Unterstützung aus der IG BCE)
    - über regionale Presse

Häufig taucht die Frage auf, wie sich der Aktionsplan Inklusion zu anderen Vereinbarungen verhält:

  • Er tritt nicht an die Stelle bestehender Integrationsvereinbarungen oder anderer Betriebsvereinbarungen beispielsweise zu BEM - er kann aber dazu genutzt, werden, die dort getroffenen Regelungen und Absichten noch einmal zu bekräftigen und für diese wichtigen Themen Aufmerksamkeit zu wecken.
  • Er ersetzt keine Inklusionsvereinbarung (gemäß §166 SGB IX) - er kann aber dafür genutzt werden, das Thema auf die Tagesordnung zu setzen und beispielsweise zusammen mit der Unterzeichnung zu vereinbaren, wie die Verhandlungen zu einer Inklusionsvereinbarung aufgenommen werden.
  • Er kann vertiefend verstanden werden, wenn das Unternehmen bereits die Charta der Vielfalt unterschrieben hat.

Und schließlich und nicht zuletzt:

  • Der Aktionsplan Inklusion wird begleitet und betreut von dem zuständigen Bezirk der IG BCE mit Unterstützung der Abteilung Diversity und Antidiskriminierung in der Hauptverwaltung.

Der Bezirk hält  Materialien bereit beziehungsweise kann sie vermitteln, um den Aktionsplan Inklusion den Kolleginnen und Kollegen im Betrieb nahe zu bringen.

 

 

Die Führungsspitze der IG BCE steht vor einer Neuaufstellung

Stellvertretende Vorsitzende Edeltraud Glänzer scheidet aus geschäftsführendem Hauptvorstand (gHV) aus.

Hauptvorstand nominiert Karin Erhard als neues gHV-Mitglied und Ralf Sikorski als stellvertretenden Vorsitzenden.

Das fünfköpfige Führungsteam der IG BCE steht vor einem Personalwechsel. Edeltraud Glänzer hat in der heutigen Sitzung des Hauptvorstandes angekündigt, ihr Mandat als Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands und stellvertretende Vorsitzende niederzulegen. Sie wird mit Ablauf der Beiratssitzung im Juni nach jahrzehntelangem Engagement für die IG BCE aus dem geschäftsführenden Hauptvorstand ausscheiden, der Gewerkschaft aber weiterhin aktiv verbunden bleiben.

Der Hauptvorstand hat daraufhin die Justiziarin der IG BCE, Karin Erhard, für die Wahl in den geschäftsführenden Hauptvorstand nominiert. Die Aufgabe des stellvertretenden Vorsitzenden der IG BCE soll nach dem Vorschlag des Hauptvorstands Ralf Sikorski übernehmen, im geschäftsführenden Hauptvorstand verantwortlich für die Tarifpolitik. Über beide einstimmig getroffenen Nominierungen wird der gut 150-köpfige Beirat der IG BCE auf seiner nächsten Sitzung am 17. Juni entscheiden.

Edeltraud Glänzer (63), geboren in Hannoversch-Münden (Niedersachsen), startete ins Berufsleben mit einer Ausbildung beim Chemieunternehmen Riedel-de Haen in Seelze, wo sie sich anschließend als Vertrauensfrau und Betriebsrätin ehrenamtlich engagierte. Nach Stationen beim Evangelischen Stadtjugenddienst und dem Studium der Diplompädagogik an der Universität Hannover wechselte Glänzer 1991 als Hauptamtliche zum IG BCE-Landesbezirk Rheinland-Pfalz/Saarland, wo sie zur stellvertretenden Leiterin aufstieg. Seit 2005 ist Glänzer Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands, seit 2013 stellvertretende Vorsitzende. In ihre Verantwortung fallen die Bereiche Mitbestimmung, Sozialpolitik und Frauen/Gleichstellung. Sie ist Mitglied diverser Vorstands- und Aufsichtsratsgremien - etwa als Vorstandsvorsitzende der August-Schmidt-Stiftung und alternierende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft Bahn-See - sowie der 12. Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands.

Karin Erhard (58), geboren in Calw (Baden-Württemberg), begann ihre Karriere bei der IG BCE direkt nach dem erfolgreichen Abschluss ihres Jura-Studiums an der Universität Tübingen 1991 als Gewerkschaftssekretärin im Bereich Tarifpolitik der Vorgängergewerkschaft IG Chemie, Papier, Keramik. 2006 übernahm sie die Leitung der Abteilung Tarifrecht der IG BCE, 2013 wurde sie Vorstandssekretärin im Vorstandsbereich Tarife und Finanzen. Seit 2017 ist Karin Erhard Justiziarin der IG BCE.

Ralf Sikorski (57), geboren in Bottrop (Nordrhein-Westfalen), startete mit der Ausbildung auf Bergwerk Osterfeld/Sterkrade in Oberhausen, wo er anschließend als Elektrohauer arbeitete und viele Jahre als ehrenamtlicher Jugendvertreter und später Betriebsrat für der IG-BCE-Vorgängergewerkschaft IG Bergbau und Energie aktiv war. Nach einem Studium an der Sozialakademie in Dortmund wechselte er 1988 als Gewerkschaftssekretär zur IG BE, wo er unter anderem die Abteilung Jugend leitete. Nach der Fusion zur IG BCE 1997 übernahm Sikorski mehrere Führungsfunktionen in Bezirken und Landesbezirken, zuletzt 2008 die Leitung des Landesbezirks Rheinland-Pfalz/Saarland. Seit 2013 ist er Mitglied des geschäftsführenden Hauptvorstands, heute verantwortlich für Tarifpolitik und Industriegruppen.

 

Wahlaufruf der IG BCE zur Europawahl am 26. Mai 2019

Nordrhein wählt Europa

Vassiliadis: "Europa steht am Scheideweg"

 

Ein Europa für uns“ – unter dieses Motto stellt die IG BCE ihren Wahlaufruf zur Europawahl am 26. Mai. Darin fordert sie einzustehen für ein Europa, das von Solidarität, Gemeinsinn, Gerechtigkeit und nachhaltigem Fortschritt geprägt wird. „Europa muss ein Kontinent der guten Arbeit sein“, heißt es in dem heute veröffentlichten Wahlaufruf.

Der Vorsitzende der IG BCE, Michael Vassiliadis, dazu: „Wir werden in den kommenden Wochen laut und nachdrücklich dafür werben, zur Europawahl zu gehen. Denn die EU steht am Scheideweg. In immer mehr Ländern machen sich Populisten auf, das gemeinsame Haus Europa einzureißen. Das werden wir als Gewerkschaft der Arbeitnehmer in der europäischen Industrie nicht akzeptieren.“

Die EU sei ein aus Krieg und Zerstörung aufgebautes historisches Zukunftsprojekt, das gerade Deutschland die Kriegsschuld erleichtert und Wohlstand gebracht habe, machte der IG-BCE-Vorsitzende deutlich. „Wir wollen Europa zum Kontinent guter Industriearbeit machen. Nur so werden wir gerechten Wohlstand und sozialen wie ökologischen Fortschritt gewährleisten können. Dazu müssen wir in Europa weiterentwickeln und verbessern.“

Die europäische Einigung müsse gegen Neo-Nationalisten und völkische Sektierer verteidigt werden, forderte Vassiliadis, der auch Präsident des europäischen Industriegewerkschaftsverbunds IndustriAll Europe ist. „Wir wissen: Für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wird ohne die EU nichts besser. Das Drama um den Brexit sollte uns allen Mahnung genug sein, für ein Europa der Vernunft zu kämpfen – und uns den Termin dieser Europawahl am 26. Mai rot im Kalender anzustreichen!“

In ihrem Wahlaufruf fordert die IG BCE unter anderem:

  • verbindliche europäische Standards gegen Lohndumping und klare Regeln gegen Steueroasen, damit sich Unternehmen nicht ihrer gesellschaftlichen Verantwortung entziehen können
  • eine Ausweitung und konsequente Durchsetzung von Informations- und Beratungsrechten für Europäische Betriebsräte sowie einem europaweiten Schutz der Mitbestimmungsrechte der Beschäftigten
  • eine nachhaltige Industriepolitik, die in Zukunftsaufgaben wie Digitalisierung oder Bewältigung des Klimawandels investiert, um gute Industriearbeit zu sichern
  • ein Europa, das faire Handelsregeln in der Welt durchsetzt und heimische Beschäftigung vor unverantwortlicher Ego-Politik schützt

Ein FAQ zur Grundrente

Der Bundesarbeitsminister hat kürzlich einen Vorschlag zur Grundrente vorgelegt. Sie soll für Menschen, die jahrzehntelang gearbeitet haben und trotzdem nur eine gesetzliche Rente unterhalb des Existenzminimums bekommen, die Rente aufstocken. Die Politik streitet seitdem über die genaue Ausgestaltung. Doch was ist die Grundrente überhaupt, wer ist anspruchsberechtigt und wie steht die IG BCE zu dem Vorschlag?

Was ist die Grundrente?

„Die Lebensleistung von Menschen, die jahrzehntelang gearbeitet, Kinder erzogen und Angehörige gepflegt haben, soll honoriert und ihnen ein regelmäßiges Alterseinkommen zehn Prozent oberhalb des Grundsicherungsbedarfs zugesichert werden.“ So steht es im Koalitionsvertrag, den CDU, CSU und SPD im März 2018 vereinbart haben. Die Grundrente, zu der Bundesarbeitsminister Hubertus Heil jetzt ein Konzept vorgelegt hat, soll diesen Auftrag umsetzen. Sie soll für Menschen, die jahrzehntelang gearbeitet haben und trotzdem nur eine gesetzliche Rente unterhalb des Existenzminimums bekommen, die Rente aufstocken. So soll die Altersarmut eingedämmt werden.

Wie steht die IG BCE zu dem Vorschlag?

"Das Grundrentenmodell ist ein richtiger und wichtiger Vorstoß, um die Lebensleistung von Menschen mit niedrigen Einkommen anzuerkennen“, sagt Michael Vassiliadis, IG-BCE-Vorsitzender. Wer 35 Jahre lang den Sozialstaat mitfinanziere, habe auch Anspruch auf ein ordentliches Auskommen im Alter. „Dieses sinnvolle Modell sollte aus Steuermitteln finanziert werden“, sagt Vassiliadis.

Der Vorschlag der IG BCE: Der Arbeitgeber sollte Rentenbeiträge auf Basis jenes Stundenlohns zahlen, der notwendig ist, um eine Rente oberhalb des Grundsicherungsniveaus zu erhalten – auch wenn die Beschäftigten tatsächlich weniger verdienen.

Wie funktioniert die geplante Grundrente?

Wer mindestens 35 Jahre lang in Voll- oder Teilzeit gearbeitet und Sozialversicherungsbeiträge gezahlt, aber wenig verdient hat, soll im Alter nicht mehr in die Grundsicherung fallen. Auch Zeiten der Kindererziehung oder der Pflege von Angehörigen sollen bei den 35 Jahren mit berücksichtigt werden. Der Plan: Die Rentenversicherung stuft die erworbenen Rentenpunkte automatisch hoch – dadurch steigt der bisher niedrige Rentenanspruch.

Wann und wie soll denn eine Aufwertung der Renten erfolgen?

Grundlage dafür sind die durchschnittlichen Beiträge im Erwerbsleben. Wer in einem Jahr genauso viel verdient wie der Durchschnitt aller gesetzlich Rentenversicherten, der bekommt für seine Rente genau einen Entgeltpunkt (EP) gutgeschrieben. Der Vorschlag des Arbeitsministers lautet: Wurden im Durchschnitt von 35 anerkannten Versicherungsjahren nur wenigstens 0,2 EP, höchstens aber 0,8 EP erworben, wird die Rente um bis zu 14 EP aufgewertet. Das entspricht derzeit 448 Euro.

Soll es auch eine Bedürftigkeitsprüfung geben?

Nein. Anders als der Koalitionsvertrag sieht das Grundrenten-Konzept des Arbeitsministers keine Bedürftigkeitsprüfung vor. Wer eine Grundrente beziehen will, muss also seine eigenen Einkommens- und Vermögensverhältnisse nicht offenlegen – eben so wenig diejenigen des im gemeinsamen Haushalt lebenden (Ehe-)Partners.

Was ist der Unterschied zwischen der Grundrente und der Grundsicherung im Alter?

Die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung ist eine staatliche Fürsorgeleistung, die es nur bei Bedürftigkeit gibt. Sie bekommen derzeit nur Ältere, wenn sie weniger als 5.000 Euro Ersparnisse haben und ihr eigenes (Alters-)Einkommen und das ihres Partners (ihrer Partnerin) im gemeinsamen Haushalt nicht zur Existenzsicherung reicht. Die Grundsicherung liegt derzeit bei monatlich 424 Euro plus Wohn- und Heizkosten für angemessenen Wohnraum.

Die Grundrente dagegen ist eine Leistung der Rentenversicherung, die sich nicht an der Bedürftigkeit orientiert, sondern an der Lebensleistung eines Menschen. Wie hoch sie ausfällt, hängt von den individuellen Beiträgen ab. Der maximale Zuschlag gegenüber den bisher erworbenen Rentenansprüchen liegt bei 448 Euro pro Monat.

Was hätte denn eine Chemielaborantin mit einer Teilzeitstelle und einem monatlichen Einkommen von etwa 1.550 Euro von der Grundrente?

Das macht die folgende Rechnung deutlich: Die Laborantin (aus Westdeutschland) verdient – einschließlich Urlaubs- und Weihnachtsgeld – 20.400 Euro im Jahr. Für ihre Rente ist der Vergleich mit den Verdiensten aller gesetzlichen Rentenversicherten wichtig. Der Durchschnittsverdienst ist 2019 (vorläufig) mit 38.901 Euro (im Westen) angesetzt. Die Chemielaborantin verdient (20.400 : 38.901 =) 52,4 Prozent dieses Durchschnitts. Für ihre Rente bedeutet das: Sie erwirbt derzeit in einem Beschäftigungsjahr 0,524 Entgeltpunkte (EP) für ihre Rente. Würde sie 40 Jahre in etwa auf diesem Niveau – gemessen am Durchschnitt – verdienen, so hätte sie (40 x 0,524 =) 20,96 EP für ihre Rente zusammenbekommen. Bei einem derzeitigen aktuellem Rentenwert von 32,03 Euro (West) käme sie auf eine monatliche Rente von (20,96 x 32,03 =) rund 672 Euro. Diese wäre aber so gering, dass sie durch die Grundrente aufgestockt würde. Dadurch könnte sie noch einen Zuschlag zu ihrer regulären Rente von 309 Euro erhalten. Insgesamt würde ihre Rente dann bei 981 Euro brutto liegen. Davon gehen dann allerdings noch gut 100 Euro Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung ab.

Welche Bedingungen muss man erfüllen, um die Grundrente zu bekommen?

Anspruch auf die Grundrente haben nach dem Konzept des Bundesarbeitsministers Menschen mit niedrigen Rentenansprüchen. Sie müssen im Durchschnitt von 35 anerkannten Versicherungsjahren – mit sozialversicherter Voll- oder Teilzeitarbeit, Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen – wenigstens 0,2 Entgeltpunkte, höchstens aber 0,8 EP pro Jahr für ihre Rente erworben haben.

Reichen auch Minijobs über 35 Jahre hinweg für den Anspruch auf die Grundrente? 

Nein. Selbst wenn bei den Minijobs Rentenversicherungsbeiträge gezahlt werden, können dadurch keine Ansprüche auf die Grundrente entstehen. Denn durch einen 450-Euro-Job im ganzen Jahr kommen nur weniger als 0,2 Entgeltpunkte für die Rente zusammen. Damit wird die geforderte Mindest-Entgeltpunktzahl nicht erreicht. 

Was ist, wenn es neben einer Grundrente auch einen Anspruch auf eine Betriebsrente gibt?

Dann gibt es beide Renten nebeneinander – ungekürzt. Da bei der Grundrente keine Bedürftigkeitsprüfung vorgesehen ist, sind weitere Einkünfte – wie betriebliche oder private Renten – für den Anspruch auf die Grundrente unschädlich.  

Zählen auch Zeiten der Arbeitslosigkeit mit für den Anspruch auf die Grundrente? 

Welche Zeiten im Einzelnen bei den geforderten 35 Jahren mitzählen sollen, kann erst gesagt werden, wenn es ein Gesetz zur Grundrente gibt. Zeiten der Arbeitslosigkeit sind derzeit – anders als Zeiten der Kindererziehung und Pflege – nicht als anrechenbare Zeiten vorgesehen.  

Wann gibt es denn einen Gesetzentwurf zur Grundrente?

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil hat für Mai 2019 einen solchen Entwurf angekündigt.

Und wann könnte die Grundrente voraussichtlich kommen?

Wenn sich die Koalition einigt, dann könnte die neue Regelung am 1. Januar 2021 in Kraft treten.

Wie kann ich meinen möglichen individuellen Anspruch auf eine Grundrente ausrechnen?

Der DGB hat einen „Grundrenten-Rechner“ konzipiert. Dort kann jeder ermitteln, wie hoch sein möglicher Anspruch auf die Grundrente ist. Dazu muss eingegeben werden, wie hoch das beitragspflichtige Bruttoentgelt ist, ob in Ost- oder Westdeutschland gearbeitet und wie viele Jahre diese Arbeit ausgeübt wird. Kindererziehungs- oder Pflegejahre werden bei dem Rechner allerdings nicht berücksichtigt.

Soll die Grundrente auch für Menschen gelten, die jetzt schon in Rente sind?

Sie soll für alle gelten. Sie kommt also nicht nur zukünftigen Rentnerinnen und Rentnern, sondern auch den aktuellen Rentnerinnen und Rentnern zugute.

Muss man die Grundrente beantragen?

Nein, nach den Plänen von Bundesarbeitsminister Huberts Heil müsste die Grundrente nicht extra beantragt werden. Dies ist Kerngedanke der Idee: Es muss nur die normale Rente beantragt werden und ohne weitere Angaben wird die Grundrente automatisch mit ausgezahlt, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Auch wer schon in Rente ist, müsste dann nichts gesondert beantragen. 

Kann die Einführung der Grundrente allein sicherstellen, dass Rentnerinnen und Rentner nicht mehr auf die Grundsicherung im Alter angewiesen sind?

Für die meisten Rentnerinnen und Rentner würde die Grundrente reichen, um nicht in die Grundsicherung im Alter zu fallen. Wenn aber die Wohnung überdurchschnittlich teuer ist – zum Beispiel in Großstädten wie Hamburg oder München – oder wenn jemand wegen einer Behinderung höhere Kosten hat, kann es sein, dass die Grundrente nicht alles abdeckt.

Deswegen sehen die Vorschläge des Bundesarbeitsministers zusätzliche Maßnahmen vor: Beim Wohngeld soll es für betroffene Rentnerinnen und Rentner mit Anspruch auf Grundrente künftig einen pauschalen Freibetrag geben. Dieser soll sich an dem bereits jetzt für schwerbehinderte Menschen existierenden Freibetrag von 125 Euro orientieren. Die Miet- und Einkommensgrenzen beim Wohngeld sollen – entgegen der bisherigen Rechtslage – regelmäßig angepasst werden, damit niemand wegen einer Rentenerhöhung seinen Wohngeldanspruch verliert.

In allen Fällen, in denen das Existenzminimum trotz Grundrente und höherem Wohngeld nicht gedeckt werden kann, will Hubertus Heil einen Freibetrag in der Grundsicherung für diejenigen einführen, die 35 Jahre rentenversichert waren. Der Freibetrag bei Bedürftigkeit soll 25 Prozent der individuellen Rente betragen, höchstens aber derzeit 106 Euro (25 Prozent des Regelsatzes für einen Alleinstehenden).

Für Alterseinkünfte aus privaten und betrieblichen Renten gibt es schon seit 2018 einen solchen Freibetrag bei der Grundsicherung (nach § 82 Abs. 4 Sozialgesetzbuch XII). Er ist allerdings mit maximal 212 Euro doppelt so hoch.

Wie viele Menschen werden von der Grundrente profitieren?

Das hängt von der konkreten Ausgestaltung des Gesetzes ab. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales rechnet derzeit damit, dass drei bis vier Millionen Rentnerinnen und Rentner die Grundrente bekommen würden, wenn die Regelung am 1. Januar 2021 in Kraft tritt.

Wer würde von der Grundrente besonders profitieren?

Zu 75 Prozent würden Frauen von der neuen Grundrente profitieren. Der Grund: Sie haben wegen Kindererziehungszeiten oder der Pflege von Angehörigen häufiger als Männer in Teilzeit gearbeitet. Und noch immer werden Frauen schlechter bezahlt, sogar im gleichen Beruf. Deshalb fällt im Alter auch ihre Rente geringer aus. Aber auch Männer in schlecht bezahlten Stellen würden Vorteile von der Grundrente haben.

Wie soll die Grundrente finanziert werden?

„Bei der Aufstockung niedriger Renten handelt es sich um eine Leistung, der ausdrücklich keine Beiträge gegenüberstehen. Eine solche Aufstockung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die in vollem Umfang aus Steuermitteln zu finanzieren ist“, heißt es in einer Stellungnahme der Deutschen Rentenversicherung. Die Grundrente sollte also aus Steuermitteln finanziert werden, weil Lebensleistung zu würdigen und Altersarmut zu mindern gesamtgesellschaftliche Aufgaben sind. So beteiligen sich auch Menschen an der Finanzierung der Grundrente, die nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung sind, wie zum Beispiel Beamte, Politiker und viele Selbstständige.

Wie hoch werden die Kosten der Grundrente nach den derzeitigen Plänen?

Bundesarbeitsminister Heil spricht von einem „mittleren einstelligen Milliardenbetrag“ pro Jahr. Präzisere Angaben wird man erst machen können, wenn der Gesetzentwurf vorliegt.

Herrscher sein über die eigene Arbeitszeit

Arbeitszeitsouveränität – das sagt so viel mehr als eine bloße Fokussierung auf flexible Arbeitszeiten. Doch wie werde ich Herr meiner Zeit im Betrieb? Über Grenzen und Möglichkeiten diskutierten jetzt über 100 Teilnehmer beim 5. Forum Arbeitspolitik in Bad Münder.

Für die Gewerkschaften ist Arbeitszeit ein Jahrhundertthema, das mit der Einführung des Acht-Stunden-Tages 1918 einen ersten wichtigen Höhepunkt erreichte. Seither pflügten sich Arbeitnehmer- wie Arbeitgebervertreter durch Fragen, aufgeworfen von Wirtschaftswunder, Massenarbeitslosigkeit, Globalisierung, Automatisierung und schließlich Industrie 4.0. Und da sind die Fragen, die angesichts gesellschaftlicher Prozesse aufkamen: Wie wollen wir leben und unser Privat- wie Familienleben mit dem Beruf vereinbaren? Von „entgrenzter Arbeit“ ist heute die Rede, wenn die Digitalisierung es ermöglicht, dass jederzeit an beinahe jedem Ort gearbeitet werden kann. Was Arbeitgeber als verführerische Möglichkeit ansehen, kann für Beschäftigte zum Problem werden. 

Technik oder Urgewalt?

„Digitalisierung ist keine neue Urgewalt, sondern einfach neue Technologie“, sagt Prof. Nicole Mayer-Ahuja, Direktorin des Soziologischen Forschungsinstituts Göttingen und Arbeitsmarktforscherin. Anders als noch vor Jahrzehnten befürchtet, seien Betriebe heute keine menschenleere Orte. Viel eher tobe heute an anderer Stelle ein Konflikt: Auf der einen Seite wollen Arbeitgeber einen möglichst flexiblen Zugriff auf die Beschäftigten. Und die Beschäftigten wiederum pochen auf Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf. Der DGB-Index „Gute Arbeit 2017“ zeigte indes, dass sich 41 Prozent der Befragten zu erschöpft fühlten, um sich nach dem Job noch viele Gedanken um Freizeitgestaltung und Hobbies machen zu können. „Der gewerkschaftliche Kampf um Arbeitszeitsouveränität bleibt zentral“, bilanziert Mayer-Ahuja. Es sei wichtig, dass Gewerkschaften wie die IG BCE über wählbare Optionen diskutierten. Mit anderen Worten: Es geht um Arbeitszeitmodelle, die in der Praxis in Voll- wie in Teilzeit und im Schichtsystem funktionieren.

Stichwort Schichtarbeit: Wie solle es einem Einzelnen möglich sein, 30 oder 40 Jahre Schichtarbeit zu leisten und dann mit 67 Jahren „gesund und munter in die Rente zu gehen?“, fragte Francesco Grioli vom geschäftsführenden Hauptvorstand der IG BCE. Die Arbeitszeitpolitik werde sich auch in Zukunft um die Situation der Schichtarbeitenden drehen, um sie zu entlasten. Aber auch im Bereich der Digitalisierung könne die IG BCE viele offene Fragen beantworten, betonte Grioli. „Mit Zeitsouveränität.“

Es gibt viele Anlässe, darüber nachzudenken. Ein wichtiger ist die kommende Chemie-Tarifrunde in diesem Jahr. Die IG BCE arbeitet an der „Roadmap 4.0“, um den digitalen Wandel in den Betrieben zu gestalten. Auch mit dem Fokus auf mehr Selbstbestimmung in der Arbeitszeit. Gegenwärtig bestehen viele Modelle. Das Potsdamer Modell ist eines davon; mit ihm können unter anderem betriebliche wöchentliche Arbeitszeiten im Korridor von 32 bis 40 Stunden festgelegt werden. Überhaupt sind Korridor-Lösungen ein Schwerpunkt der Arbeitszeitpolitik. Die IG BCE setzt zudem auf Lebensarbeitszeit und auf lebensphasenorientierte Arbeitszeit. Kurz: Wer mehr Zeit für Familie oder Pflege braucht, soll sie bekommen.

Knackpunkt Praxis

In der Praxis tun sich seit jeher große Hürden auf. Zum Beispiel, wenn es nicht nur um saisonale, sondern um krisenbedingte Auftragsschwankungen geht. „Nur wenige Unternehmen bereiten sich darauf vor“, stellte Stefan Gerlach vom Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation fest. Mögliche Folgen sind Arbeitszeitkonten mit dreistelligen Minusbeträgen – eine Katastrophe für jeden Beschäftigten. Flexi-Konten beispielsweise, die in guten Zeiten aufgebaut werden, könnten das Problem abfedern. Allerdings sei dieses Modell nicht eben individuell anwendbar, befand das Publikum. Stimmt, räumte Gerlach ein. Aber welches Modell auch angewandt werde, Betriebe seien gut beraten, sich auf Krisen vorzubereiten.

Kritische Beispiele haben viele Teilnehmende zu vermelden: Mehrarbeit wird durch Leiharbeit aufgefangen und nicht etwa durch Neueinstellungen. Für Krisenzeiten gibt es keine Rücklagen, weil die Eigner „überflüssiges“ Kapital aus den Unternehmen abziehen. Oder es wird offen mit Standortschließungen gedroht, wenn eine Belegschaft nicht die gewünschte Leistung zeige. Auch angesichts solcher Herausforderungen betont Eveline Wengler (Betriebsrätin, Bayer Leverkusen): „Wir brauchen eine ganz eigene Sicht und eine starke Positionierung gegenüber den Arbeitgebern.“

 

 

Abschluss in der Papier-Tarifrunde

Tarifeinigung bringt Beschäftigten im Schnitt 4,2 Prozent Plus

Nach einem 18-stündigen Verhandlungsmarathon haben sich IG BCE und Papierarbeitgeber am frühen Mittwochmorgen in Hannover in der zweiten Verhandlungsrunde auf ein Tarifpaket geeinigt.

Die Löhne und Gehälter werden ab dem 1. März um 3 Prozent erhöht. Die Azubi-Vergütungen steigen überproportional, pauschal um 50 Euro. Die Laufzeit beträgt 18 Monate. Das Urlaubsgeld für Vollzeitbeschäftigte wird ab dem 1. Januar 2020 auf 1200 Euro verdoppelt und für Auszubildende auf 900 Euro angehoben.

Außerdem ist ein Fahrplan für einen neuen Entgeltrahmentarifvertrag vereinbart, der einen Tarifwandel in der Papierindustrie einleiten soll. Die bestehenden Lohn- und Gehaltsrahmentarifverträge sollen abgelöst werden, um eine Gleichstellung zwischen qualifizierter gewerblicher Tätigkeit (Löhne) und Angestelltentätigkeit (Gehälter) zu erreichen. Die Verhandlungen dafür sollen ab Oktober dieses Jahres beginnen.

Verhandlungsführer Frieder Weißenborn: „Das Paket ist Ausdruck von Wertschätzung und ein Beitrag zu mehr sozialer Gerechtigkeit, vor allem für die unteren Einkommensgruppen. Die Urlaubsgeld-Verdoppelung ist ein voller Erfolg und ein historischer Meilenstein. 900 Euro für Azubis sind ein absoluter Spitzenwert im Vergleich zu anderen Branchen. Im Gesamtpaket haben wir so für alle Beschäftigten ein materielles Ergebnis von durchschnittlich 4,2 Prozent erreicht.“

 

 

Wahlaufruf der IG BCE zur Europawahl veröffentlicht

Vassiliadis: "Europa steht am Scheideweg"

„Ein Europa für uns“ – unter dieses Motto stellt die IG BCE ihren Wahlaufruf zur Europawahl am 26. Mai. Darin fordert sie einzustehen für ein Europa, das von Solidarität, Gemeinsinn, Gerechtigkeit und nachhaltigem Fortschritt geprägt wird. „Europa muss ein Kontinent der guten Arbeit sein“, heißt es in dem heute veröffentlichten Wahlaufruf.

Der Vorsitzende der IG BCE, Michael Vassiliadis, dazu: „Wir werden in den kommenden Wochen laut und nachdrücklich dafür werben, zur Europawahl zu gehen. Denn die EU steht am Scheideweg. In immer mehr Ländern machen sich Populisten auf, das gemeinsame Haus Europa einzureißen. Das werden wir als Gewerkschaft der Arbeitnehmer in der europäischen Industrie nicht akzeptieren.“

Die EU sei ein aus Krieg und Zerstörung aufgebautes historisches Zukunftsprojekt, das gerade Deutschland die Kriegsschuld erleichtert und Wohlstand gebracht habe, machte der IG-BCE-Vorsitzende deutlich. „Wir wollen Europa zum Kontinent guter Industriearbeit machen. Nur so werden wir gerechten Wohlstand und sozialen wie ökologischen Fortschritt gewährleisten können. Dazu müssen wir in Europa weiterentwickeln und verbessern.“

Die europäische Einigung müsse gegen Neo-Nationalisten und völkische Sektierer verteidigt werden, forderte Vassiliadis, der auch Präsident des europäischen Industriegewerkschaftsverbunds IndustriAll Europe ist. „Wir wissen: Für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wird ohne die EU nichts besser. Das Drama um den Brexit sollte uns allen Mahnung genug sein, für ein Europa der Vernunft zu kämpfen – und uns den Termin dieser Europawahl am 26. Mai rot im Kalender anzustreichen!“

In ihrem Wahlaufruf fordert die IG BCE unter anderem:

  • verbindliche europäische Standards gegen Lohndumping und klare Regeln gegen Steueroasen, damit sich Unternehmen nicht ihrer gesellschaftlichen Verantwortung entziehen können
  • eine Ausweitung und konsequente Durchsetzung von Informations- und Beratungsrechten für Europäische Betriebsräte sowie einem europaweiten Schutz der Mitbestimmungsrechte der Beschäftigten
  • eine nachhaltige Industriepolitik, die in Zukunftsaufgaben wie Digitalisierung oder Bewältigung des Klimawandels investiert, um gute Industriearbeit zu sichern
  • ein Europa, das faire Handelsregeln in der Welt durchsetzt und heimische Beschäftigung vor unverantwortlicher Ego-Politik schützt.

 

 

Bundesweiter Protest gegen Jobabbau bei Wintershall-DEA

Mehr als 1200 der 2000 Beschäftigten auf der Straße

Mehr als 1200 Beschäftigte der Öl- und Gasproduzenten Wintershall und DEA haben am Dienstag bundesweit gegen den rigiden Personalabbau protestiert, den die beiden Unternehmen im Zuge ihres bevorstehenden Zusammenschlusses planen. Unter dem Motto „Es ist 5 vor 12“ zogen die Beschäftigten vor die Tore ihrer Verwaltungen und Produktionsstandorte und machten ihrem Ärger Luft. Auf Spruchbändern forderten sie: „Unternehmen mit Zukunft? Nur mit uns!“ oder „Denkt dran: Keine betriebsbedingten Kündigungen!“

Wintershall und Dea hatten in der vergangenen Woche angekündigt, mehr als 800 von insgesamt 2000 Stellen bundesweit abbauen zu wollen. Betroffen sind vor allem die Verwaltungssitze in Hamburg, Kassel und Barnstorf sowie der Standort Wietze bei Celle, der komplett geschlossen werden soll. IG BCE und Betriebsräte halten die Pläne für unrealistisch und überzogen, zumal sie binnen 18 Monaten umgesetzt werden sollen.

Die größten Veranstaltungen fanden in Hamburg und Kassel statt, den beiden Firmenzentralen von DEA und Wintershall, wo sich jeweils gut 400 Beschäftigte zu einer Aktion zur Mittagspause zusammenfanden. In Kassel bildeten die Teilnehmer eine Menschenkette rund um die Hauptverwaltung.

Vor der DEA-Zentrale in Hamburg erinnerte IG-BCE-Bezirksleiter Jan Koltze daran, dass sich die Unternehmen und Arbeitnehmervertretungen darauf verständigt hatten, den Zusammenschluss unter Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen zu organisieren – auch um den Prozess ohne Angst für die Beschäftigten gestalten zu wollen. „Den Sinn dieser Vereinbarung scheinen die Anteilseigner nicht verstanden zu haben.“ Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende der DEA, Günther Prien, sieht die Zukunftsfähigkeit des neuen Unternehmens in Gefahr: „Ohne unsere qualifizierte und erfahrene Belegschaft ist das anspruchsvolle Wachstumskonzept nicht umzusetzen.“ Die Belegschaftsvertreter forderten zudem den Erhalt des Standorts Wietze.

In Kassel kritisierte IG-BCE-Bezirksleiter Friedrich Nothhelfer die Abkehr der Wintershall vom sozialpartnerschaftlichen Umgang miteinander. „Das ist nicht die Handschrift, die hier bislang die Kultur geprägt hat.“ Die Gesamtbetriebsratsvorsitzende Birgit Böl kündigte eine kritische Auseinandersetzung mit den Fusionskonzepten der Unternehmen an. „Wir lassen uns unsere Arbeitsplätze nicht einfach wegrechnen.“

 

Kommission "Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung"

Echte Erfolge – echte Lasten

Nach monatelangen Gesprächen und einer 21-stündigen Marathonsitzung hat die Kommission Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung am frühen Samstagmorgen einen Abschlussbericht vorgelegt. Das wichtigste Ergebnis: Niemand fällt ins Bergfreie – über den ganzen Zeitraum. Die Beschäftigten in der Kohleverstromung werden im klimapolitisch bedingten Strukturwandel umfassend abgesichert.

„Wir haben nach 21 Stunden Verhandlungen einen Kompromiss gefunden, der uns nicht glücklich machen, aber insgesamt zufrieden stellen kann. Es ist uns gelungen, für die vom Strukturwandel betroffenen Beschäftigten in der Kohleverstromung Sicherheit vor sozialen Härten zu schaffen", sagt Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE, nach der nächtlichen KWSB-Abschlussrunde.

Und das empfiehlt die Kommission der Politik:

Engmaschiges Sicherheitsnetz

  • Betriebsbedingte Kündigungen in Kraftwerken und Tagebauen sind ausgeschlossen.
  • Fällt ein Arbeitsplatz weg, werden die Betroffenen in neue gute Arbeit vermittelt – unter Ausgleich etwaiger Gehaltseinbußen.
  • Ältere Beschäftigte können, wenn es zu Personalauswirkungen kommt, in den vorzeitigen Ruhestand wechseln – unter Ausgleich von Rentenabschlägen.
  • Der Bund schafft ein staatliches Anpassungsgeld, mit dem Jahre bis zum vorzeitigen Renteneintritt überbrückt werden können.
  • Gewerkschaften und Unternehmen regeln in Tarifverträgen ergänzende Ausgleichszahlungen.
  • Der Staat sichert die sozialen Verpflichtungen der Unternehmen ab.
  • Das Gesamtpaket gilt für die gesamte Auslaufphase der Kohle, einschließlich der Rekultivierung, also mehr als 20 Jahre.

Neue Arbeitsplätze in den Revieren

  • Bedingung aller Ausstiegsschritte aus der Kohle ist die Schaffung neuer, guter Arbeitsplätze in den Revieren.
  • In den kommenden 20 Jahren fließen 40 Milliarden Euro in die Regionen, um neue Industrien, Technologie- und Forschungscluster und eine moderne Infrastruktur zu schaffen.
  • Abgesichert werden Investitionsförderung, Ausbau der Infrastruktur sowie Ansiedlung von Bundesbehörden und Forschungseinrichtungen durch ein sogenanntes Maßnahmengesetz.

Kein Abschalt-Automatismus

Vorgesehen sind harte Einschnitte in die Kohleverstromung – wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind.

  • 2023 sollen rund 3 GW Braunkohle und 3 GW Steinkohle vom Netz.
  • 2030 soll die Erzeugungskapazität auf maximal 9 GW Braunkohle und 8 GW Steinkohle halbiert werden.
  • 2038 soll die Kohleverstromung gänzlich auslaufen.
  • Aber: Die Stilllegung von Kraftwerken und Tagebauen ist an eine Vielzahl von Voraussetzungen geknüpft, die zwischen 2023 und 2032 alle drei Jahre durch ein unabhängiges Expertengremium überprüft werden.
  • Werden die Ausbauziele bei Erneuerbaren, Netzen und Speichern nicht erfüllt, können und werden konventionelle Energieträger nicht wie gedacht vom Netz gehen.

Schutz von privaten Haushalten und Industrie

  • Regelmäßig wird überprüft, wie sich die Entwicklung von Strompreisen auf Industriearbeitsplätze und die privaten Haushalte auswirkt.
  • Die Bundesregierung muss für einen Ausgleich sorgen, damit Arbeitsplätze in der Industrie nicht gefährdet und die privaten Haushalte nicht überfordert werden.

Nun geht es darum, dieses Ergebnis umzusetzen. Jetzt ist die Politik am Zug. Sie muss mit den Unternehmen in Verträgen regeln, welche Kraftwerke wann vom Netz gehen. Sie muss Gesetze zur Strukturförderung in den Regionen und zur sozialen Absicherung der Beschäftigten auf den Weg bringen.

Die Kommission hat Empfehlungen vorgelegt, aus denen man etwas machen kann. Für uns gilt: Das Paket gibt es nur mit allen Bestandteilen. Wir werden Druck machen, dass sich niemand nur das raussucht, was ihm gerade passt.

Erfolgreiche Einigung im Tarifstreit:

IG BCE und Uniper vereinbaren Erhöhung der Vergütungen um 5,6 Prozent

im Tarifkonflikt zwischen der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) und dem Uniper-Konzern haben beide Seiten in der vierten Verhandlungsrunde am Freitag (25. Januar) eine Einigung erzielt. Demnach steigen die Vergütungen der rund 5.000 Beschäftigten des Unternehmens in zwei Schritten um insgesamt 5,6 Prozent an.

Der erste Schritt erfolgt rückwirkend ab dem 1. Januar 2019 mit einer Erhöhung um 2,4 Prozent. Ab 1. Dezember 2019 folgt im zweiten Schritt eine weitere Entgelterhöhung von 3,2 Prozent.

Die Ausbildungsvergütungen steigen je nach Ausbildungsjahr um bis zu 15,5 Prozent – ebenfalls in zwei Stufen ab dem 1. Januar 2019 und ab dem 1. Dezember 2019. So erhalten beispielsweise Auszubildende im ersten Lehrjahr ab 1. Januar 2019 eine Vergütung von 910 Euro pro Monat, ab 1. Dezember 2019 steigt das Entgelt auf 980 Euro.

"Nach sehr zähen Gesprächen haben wir uns auf ein angemessenes Paket geeinigt. Mit der Erhöhung der Vergütungen um insgesamt 5,6 Prozent haben wir ein gutes Ergebnis erzielt, das ohne die Warnstreiks und Aktionen der Beschäftigten nicht möglich gewesen wäre", sagte IG-BCE-Verhandlungsführer Holger Nieden. Zudem zeige die überproportionale Erhöhung der Ausbildungsvergütungen, wie wichtig in Zeiten der Energiewende junge Leute für die Zukunft des Energieunternehmens seien.

Uniper, eine Ausgründung aus dem e.on-Konzern, gehört zu den größten deutschen Stromproduzenten und betreibt bundesweit Kohle-, Gas- und Wasserkraftwerke.

Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“

Kompromiss zeichnet akzeptablen Pfad zum Ende der Kohleverstromung

Am frühen Samstag einigte sich die Kommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ auf einen gemeinsamen Abschlussbericht mit einer Empfehlung an die Bundesregierung, der ein schnelleres Auslaufen der Kohleverstromung ebenso vorsieht wie eine umfangreiche Absicherung der Beschäftigten.

Dazu sagte Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE und Mitglied der Kommission:

„Wir haben nach 21 Stunden Verhandlungen einen Kompromiss gefunden, der uns nicht glücklich machen, aber insgesamt zufrieden stellen kann. Es ist uns gelungen, für die vom Strukturwandel betroffenen Beschäftigten in der Kohleverstromung Sicherheit vor sozialen Härten zu schaffen - durch den Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen, früherem Rentenzugang mittels staatlichem Anpassungsgeld, Vermittlung auf neue Jobs. Gleichzeitig wird der Auslauf der Kohle - wie von uns gefordert - eng an überprüfbare Fortschritte beim zukünftigen Energiemix, dem Ausbau der Erneuerbaren und der Netze geknüpft. Die Regionen erhalten Strukturentwicklungsmittel, um neue gute Arbeitsplätze zu schaffen. Die Kommission hat heute die Grundlagen für eine neue Energiewende der Vernunft gelegt.“

Dazu sagte Stefan Körzell, Mitglied des DGB-Bundesvorstands und der Kommission:

„Der Abschlussbericht zeichnet einen soliden und akzeptablen Pfad zum Ende der Kohleverstromung. Gleichzeitig bedeutet dieser Kompromiss für die Beschäftigten aber auch einen tiefen Einschnitt in ihr Berufsleben. Der Prozess muss jetzt im Sinne der Beschäftigten unter Beteiligung der Gewerkschaften gestaltet werden. Ihnen ist die Bundesregierung eine eins-zu-eins Umsetzung der Pläne insbesondere für den Strukturwandel schuldig. Niemand darf ins Bergfreie fallen. Die Menschen in den betroffenen Regionen brauchen langfristige und verlässliche berufliche Perspektiven. Ein gerecht gestalteter Strukturwandel und das Ende der Kohleverstromung müssen Hand in Hand gehen. Das heißt: Arbeitsplätze und Wertschöpfung dürfen nur dann wegfallen, wenn zeitgleich Neue geschaffen werden. Keine Abschaltung ohne Strukturentwicklung lautet hier das Credo. Jetzt geht es darum, die Energiewende mit Investitionen in erneuerbare Energien, Energieeffizienz, Netze und Speicher voranzubringen."

Dazu sagte Andreas Scheidt, Mitglied im ver.di Bundesvorstand und der Kommission:

„Die Beschäftigten in den Braun- und Steinkohlekraftwerken brauchen Planungssicherheit. Deshalb begrüßen wir die Vereinbarungen im Abschlussbericht, die den gesellschaftlichen Konsens über ein geordnetes Auslaufen der Kohleverstromung mit Vorschlägen für Maßnahmen verbinden, die allen Beschäftigten eine sichere Zukunft eröffnen. Diese Vorschläge müssen jetzt von der Bundesregierung umgesetzt werden. Der Abschlussbericht macht auch klar: Der notwendige Klimaschutz im Stromsektor muss flankiert werden durch ein konsistentes Ausbauprogramm für erneuerbare Energien, Kraft-Wärme-Kopplung, Energiespeicher- und –netze zur Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit.“

 

Auftakt der Tarifrunde für die Papierindustrie

IG BCE fordert 5,5 Prozent mehr

Für die rund 40.000 Beschäftigten in der Papierindustrie hat gestern (15. Januar) die Tarifrunde 2019 begonnen. Die Bundestarifkommission der IG BCE stellte in Offenbach ihre Forderung auf, die eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 5,5 Prozent, die überproportionale Erhöhung der Ausbildungsvergütungen sowie die Verdopplung des Urlaubsgeldes vorsieht.

„Die Auftragslage der Arbeitgeber ist seit Jahren stabil. Gleichzeitig schlägt der Fachkräftemangel in der Branche mit Vehemenz durch. Die Belastung der Beschäftigten hat durch Mehrarbeit deutlich zugenommen, Freizeitausgleich ist beinahe Utopie. Deshalb wollen wir einen Tarifabschluss, der der Sozialpartnerschaft Rechnung trägt.“, sagt Frieder Weißenborn, Verhandlungsführer der IG BCE.

Darüber hinaus fordert die Gewerkschaft den Einstieg in die Verhandlungen zum Entgelttarifvertrag nach Abschluss der Tarifrunde. Das bedeutet die Ablösung der bestehenden Lohn- und Gehaltsrahmentarifverträge, um eine Gleichstellung zwischen qualifizierter gewerblicher Tätigkeit (Löhne) und Angestelltentätigkeit (Gehälter) zu erreichen.

Frieder Weißenborn: „Im Jahr 2019 arbeiten wir mit Eingruppierungen aus den 60er-Jahren. Es ist daher an der Zeit, dass auch in der nunmehr letzten Branche der IG BCE eine Flurbereinigung stattfindet.“

Die Laufzeit der abzuschließenden Verträge soll sich am Gesamtergebnis ausrichten. Die Tarifverhandlungen beginnen am 19. Februar in Hannover.

 

 

Deutschland nimmt Abschied von der Steinkohle

Kumpel übergeben letztes Stück Kohle

Als Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier am Freitagnachmittag das letzte Stück in Deutschland geförderter Steinkohle in den Händen hält, können die Kumpel ihre Rührung kaum verbergen. Bei vielen fließen nach der letzten Fahrt und dem letzten Glückauf auf der Schachtanlage Franz Haniel in Bottrop die Tränen. Steinmeier betont: „Das ist mehr als ein Stück Kohle. Das ist Geschichte.“ Denn für das Ruhrgebiet bedeutet der Abschied von der Steinkohle eine historische Zäsur.

Nach mehr als 200 Jahren ist mit dem industriellen Steinkohlenbergbau in Deutschland eine Epoche zu Ende gegangen: Die Bergleute förderten das letzte Stück Kohle zu Tage und überreichten es symbolisch dem Bundespräsidenten. „Für manche nur ein Stück Kohle. Für Sie, Herr Bundespräsident, soll es Symbol für einen bedeutenden Teil deutscher Industriegeschichte sein. Für uns Bergleute war es unsere Welt“, sagte Peter Schrimpf, Vorstandsvorsitzender der RAG.

Über 500 Gäste und Ehrengäste nahmen gemeinsam Abschied von einer Branche, die Deutschland wie kaum ein anderer Industriezweig geprägt, die Region verändert und die Welt revolutioniert hat. Der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis betonte: „Wir verabschieden uns von einer Industrie, die Deutschland stark und reich gemacht hat – und das nicht nur ökonomisch, sondern auch kulturell, charakterlich und gesellschaftlich.“ Vor allem die große Solidarität und das Miteinander der Bergleute seien legendär – nicht nur bei der Arbeit mit Kohle, sondern auch mit Blick auf das Zusammenleben über Tage. In unserer auseinanderdriftenden Gesellschaft müssten alle gesellschaftlichen Akteure für diese Tugenden stärker einstehen denn je, forderte Vassiliadis. „Dieses Land braucht wieder mehr Kumpelkultur!“

Er hob an diesem historischen Tag hervor: „Das Ende des Steinkohlenbergbaus trifft besonders die Menschen immer noch hart, die sich für eine sichere Energieversorgung Deutschlands jahrzehntelang krumm gemacht haben. Wir haben als IG BCE dafür gesorgt, dass niemand ins Bergfreie gefallen ist. Das war ein gewaltiger Kraftakt, aber auch eine soziale Errungenschaft, die nicht hoch genug geschätzt werden kann.“

Jean-Claude Juncker, Präsident der Europäischen Kommission, machte auf die Bedeutung der Kohle für Europas Frieden und Wohlstand aufmerksam: „Ohne Kohle gäbe es keine Montanmitbestimmung und auch keine Europäische Union." Die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl gilt als Gründungsgemeinschaft der EU. Über Gemeinschaft und Solidarität sprach auch Armin Laschet, Ministerpräsident des Landes Nordrhein-Westfalen: „Bergbau geht nur mit Zusammenhalt und Zusammenarbeit. Hand in Hand: Griechen mit Türken, Deutsche mit Marokkanern, weil es unter Tage nicht darauf ankommt, welchen Namen man trägt oder zu welchem Gott man betet."

Für die Menschen im Ruhrgebiet war es ein Tag der Trauer und der Wehmut. Das Ende einer Ära. Für die Redner auf dem Festakt war es aber auch ein Tag, um nach vorne zu blicken. Und die Voraussetzungen für eine gute Zukunft sind da: Das Ruhrgebiet, früher durch und durch von Montanindustrie geprägt, hat sich zu einer bedeutenden Wissenschafts- und Innovationsregion entwickelt.

Das Wichtigste aber seien die Menschen, die sich nicht unterkriegen ließen und die in jedem Abschied auch einen neuen Anfang sähen, sagte Bundespräsident Steinmeier. Er ergänzte: „Sie haben hier zwei Jahrhunderte lang buchstäblich Berge versetzt. Warum sollte das nicht auch in Zukunft gelingen?“ In diesem Sinne beendete er seine Rede: „Danke Kumpel! Und Glückauf. Glückauf Zukunft!“

 

 

 

 

 

 

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ortsgruppe Rheinberg
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